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Museum im Ohr

Was ist Museum im Ohr?

Künstler in Künstlerkolonien, deren Leben, Wirkungsorte und Einflüsse sollen für jeden erlebbar gemacht werden. Das gesammelte Wissen aus jahrzehntelanger Arbeit von KunsthistorikerInnen wird kompakt und digital verfügbar gemacht. Museum im Ohr ist ein Projekt, das Künstlerkolonien allen Menschen näherbringt, egal, ob sie eine Sehschwäche haben, das Museum wegen einer Pandemie geschlossen ist oder man nicht mehr so fit zu Fuß ist. Es soll die Hürde nehmen sich, durch Fachbücher oder Archive zu wühlen, denn nur so kann man bisher einen tiefen Einblick in das Schaffen der, teils weniger populären, Künstler in den Künstlerkolonien erlangen. Das Erlebnis soll interaktiver gemacht werden, mit Audiodateien und visuellen Installationen, zur Verdeutlichung von Verbindungen und Themenschwerpunkten. Durch die Nennung des Expertennamens ermöglicht tiefergehende Recherchen oder die Möglichkeit der persönliche. Kunstgeschichte zum Erleben für Jedermann und nicht mehr nur als trockenes Studium für Profi oder Hobbyhistoriker.

Der Start des Projekts ist dieser Audio-Guide durch Kronberg von Monika Öchsner.

Einleitung

Die Kronberger Malerkolonie gehört zu den ältesten und bedeutendsten in Deutschland. Auf unserem kleinen Rundweg durch das Taunusstädtchen kommen Sie zu den wichtigsten Stationen der Malerkolonie. Sie sehen, wo die Künstler gewohnt und gewirkt haben. Außerdem erfahren Sie mehr über deren Leben in dem damals kleinen Städtchen, das vor allem von einfachen Handwerkern und Obstbauern bewohnt wurde.    

In den 1870er Jahren veränderte sich die dörfliche Idylle. Denn es waren nicht mehr nur die Künstler, die die Vorzüge des Landlebens schätzten, sondern auch das wohlhabende Bürgertum. Nach und nach kamen reiche Frankfurter, bauten Sommerhäuser und Villen und siedelten sich schließlich fest an. Ein Villenring bildete sich um den Altstadtkern und die ländlich geprägte Sozialstruktur Kronbergs änderte sich allmählich. Mit der Ansiedlung von Kaiserin Friedrich wurde Kronberg Residenzstädtchen. Waren es anfangs noch Genre- und Landschaftsmaler, die sich in dem „Malernest“ niederließen, kamen dann auch Historien- und Porträtmaler, die ihr Publikum nun auch vor Ort fanden. Bei dem kleinen Rundgang wird diese Entwicklung nachvollziehbar.

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1 "Zum Adler"

2 Schirnplatz

3 Burger

4 Rumpf

5 Schreyer

6 Burnitz & Schrödl

7 Burgerdenkmal

8 Knoop-Spielhagen

9 Burger Haus

10 Brütt

11 Friedhof

12 Wucherer

13 Heinrich Winter

Namen Ein-/Ausblenden

Die Kronberger Malerkolonie

Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich die ersten Künstler im idyllischen Taunusstädtchen nieder und begründeten die Kronberger Malerkolonie. Anton Burger, Jakob Fürchtegott Dielmann und Philipp Rumpf zogen weitere Künstler an. Mehr als vierzig Maler sind es im Laufe der Zeit gewesen, die über einen längeren Zeitraum in Kronberg verweilten.  

Warum haben sich die Maler gerade in Kronberg angesiedelt, es gibt doch noch viele andere schöne Taunusorte? Auf diese Frage hat Anna Spier 1894 eine treffende Antwort gefunden, als sie den Taunus und Kronberg beschrieb: „Alle Verhältnisse in diesen Bergen tragen das Mass der Idylle: Genuss ohne Gefahr, Stille ohne Einsamkeit, Ländlichkeit ohne Weltabgeschiedenheit, ein gelobtes Stück Land, in welchem sich das Elend, das auch in seinen Dörfern in den Winkeln steckt, nicht in den Vordergrund drängt, sich nicht zur Tragik steigert – das ist der Taunus! – Im Schutze eines Berghügels liegt Cronberg, so malerisch, so kunstgerecht seinem Vordergrund angefügt und angehörig, dass es als Bild gesehen kaum eine Regel der Kompositionslehre verletzt. Die Wiesen steigen terrassenförmig aus der Ebene zu dem unregelmäßigen Häuser- und Gassengewirr des Dorfes auf, das von einer Burg überragt wird.“

Bis heute hat Kronberg seinen malerischen Charakter bewahrt. Vom beliebtesten Malerwinkel aus – nahe dem Opelzoo – blickt man auf die charakteristische Burg-Silhouette, die entsprechend der atmosphärischen Stimmung im Wechsel der Tages- oder Jahreszeiten ihr Aussehen verändert: weißgepudert erscheint sie im Winter, geheimnisvoll bei Nebel, in orangefarbenes Licht getaucht bei Sonnenaufgang und bei strahlend-blauem Himmel öffnet sich der Blick nach Süden in die Mainebene bis nach Frankfurt.

Und dort im etwa 20 km entfernten Frankfurt beginnt die Geschichte der Kronberger Malerkolonie. Denn die Künstler der ersten Generation sind alle hier geboren und aufgewachsen und studierten am Städelschen Kunstinstitut. Die akademischen Zwänge und der Lehrstoff entsprachen jedoch nicht ihren Vorstellungen. Sie wollten keine Historienmalerei mit formvollendeten Kompositionen und feinen Pinselstrichen malen, sondern das, was sie tagtäglich umgab – die einfachen Menschen bei der Arbeit oder beim Feiern. Die heimische Landschaft hatte so viele reizvolle Winkel zu bieten, dass sie nichts erfinden oder in die Ferne ziehen mussten. In Jakob Becker (1810-1872) fanden sie schließlich einen Lehrer, der die Genre- und Landschaftsmalerei von der Düsseldorfer Akademie mit an das Städel brachte und der rückwärtsgewandten, schwärmerisch-religiösen Malerei der Nazarener entgegensetzte.

Im nahen Kronberg fanden die jungen Genre- und Landschaftsmaler die besten Voraussetzungen, ihre Ideen umzusetzen. Schon seit den 1840er Jahren zog es Maler während der Sommermonate in das Taunusstädtchen. Der lange und beschwerliche Weg dorthin und der Wunsch ganzjährig vor Ort malen zu können, veranlasste einige Maler sich ab 1858, in dem ‚Malernest‘, wie es genannt wurde, niederzulassen. Sie flohen aus Frankfurt, das sich durch die industrielle Revolution immer mehr veränderte. Die Sehnsucht nach einer ursprünglichen und unverdorbenen Natur ließ die Künstler auf das Land ziehen. Aber auch ganz pragmatische Gründe, wie das günstigere und ruhigere Leben, spielten eine Rolle. Mit den einheimischen Handwerkern oder Obstbauern hatten die Maler guten Kontakt. Gerne ließen sie sich in ihrem Alltagsleben malen oder standen Modell für einen Jäger oder Räuber. Blühende Obstbäume, ein Kastanienhain, von Bächen durchzogene Wiesen, Wälder und Anhöhen des Taunus, das waren die Motive der Landschaftsmaler.

Zentraler Treffpunkt der Künstler in Kronberg war die Gaststätte zum „Adler“. Hier wurden nicht nur künstlerische Erfahrungen ausgetauscht, sondern auch Feste gefeiert, Theater gespielt und natürlich auch gezecht. Ihren „Olymp“, wie sie den Ballsaal nannten, haben die Künstler mit Bildern, direkt auf die Wände gemalt, geschmückt und damit vielleicht so manche Zeche beglichen. Das Wirtshausschild zierte, und ziert auch heute wieder, ein Doppeladler, der in seinen Krallen nicht Reichsapfel und Szepter hielt, sondern Pinsel und Palette. Im Dachgeschoss waren bescheidene Unterkünfte für die jungen Maler vorhanden. Ihre Bilder verkauften sich gut und schon bald konnten sie in bürgerlichen Wohnungen oder Häusern und einige sogar in stattlichen Villen wohnen.

Anton Burgers (1824-1905) Ansiedlung in Kronberg im Jahr 1855 wird mit der Begründung der Malerkolonie gleichgesetzt. Er war der bekannteste Künstler und die zentrale Gestalt der Kronberger Malerkolonie. Er leitete eine florierende Malschule, die gerne von Künstlerinnen besucht wurde, da diese an den Akademien lange nicht zugelassen wurden. Der „König von Kronberg“, wie Burger von seinen Schülern genannt wurde, hatte oft ein ganzes Gefolge von „Malweibern“ um sich, wenn er mit ihnen auf Motivsuche durch Kronberg zog.

Jacob Fürchtegott Dielmann (1809-1885) war der Älteste der Kronberger Maler. Er hatte an der Düsseldorfer Akademie studiert und war später Mitbegründer der Willingshäuser Künstlerkolonie. Die dort gemachten Erfahrungen konnte er in Kronberg einbringen. An Dielmanns kleinformatigen Bildern, mit biedermeierlich anmutenden dörflichen Szenen, malte er oft lange, bis er mit dem Ergebnis zufrieden war, während Burger mit schnellen Pinselstrichen ein Gemälde vollendete. Der heimliche Lehrer der Kronberger Künstler malte sonnendurchfluteten Bilder mit lockerem Pinselstrich und hellen Farben. Sie erinnern an impressionistische Malweise, obgleich nicht bekannt ist, ob er jemals in Frankreich war.

Sehr beliebt waren die innigen Mutter-Kind-Motive von Philipp Rumpf (1821-1896). Unter seinen sieben Töchtern fand der Künstler immer ein attraktives Modell. Als Porträtist der Herzogin von Nassau, konnte er sich weitere Bildnisaufträge sichern.Unter den Landschaftsmalern ist Peter Burnitz (1824-1886) hervorzuheben. Durch seine Aufenthalte in Paris und Barbizon, der Mutter aller Künstlerkolonien, hat er neue Impuls für die Landschaftsmalerei mit nach Kronberg gebracht. In der Folge malte er einfache, unspektakuläre Landschaftsausschnitte, in denen der Mensch eine untergeordnete Rolle spielt. Seine ‚intimen Landschaften’ mit einfachen Wald- oder Wiesenstücken, Felsformationen oder Baumstümpfen, in silbriggrünen bis braunen Farbentönen, entstanden direkt vor dem Motiv in der freien Natur. Das Publikum jedoch lehnte seine Freilichtmalerei lange als „schmutzig“ ab.

In den 1870er Jahren änderte sich der dörfliche Charakter Kronbergs. Wohlhabende Frankfurter Familien entdeckten nun ebenfalls die Vorzüge des Landlebens und errichteten ihre Sommerhäuser und Villen um den Altstadtkern. Mit dem Bau der Bahn 1874 war das Taunusstädtchen nun auch einfacher von Frankfurt aus zu erreichen. In dieser Zeit siedelten sich Maler in Kronberg an, die weniger ländliche Abgeschiedenheit, als die höhere Kronberger Gesellschaft, als potente Auftraggeber- und Käuferschicht, suchten. Mit Norbert Schrödl (1842-1912) kam 1887 ein bereits bekannter Porträtmaler für großbürgerliche und adelige Kreise nach Kronberg. Die prachtvolle Villa des „Malerfürsten“ ist noch heute in der Hainstraße zu bestaunen.

Nach dem Tod ihres Mannes, Kaiser Friedrich III, im Dreikaiserjahr 1888, ließ sich seine Witwe Victoria von Preußen (1840-1901), in Kronberg nieder. Sie hatte sich glanzvolle Schloss Friedrichshof errichten lassen, das sie ab 1894, bis zu ihrem Tod im Jahr 1901, bewohnte. Mit Kaiserin Friedrich, wie sie sich in Kronberg, in Erinnerung an ihren geliebten Mann nannte, entwickelte sich Kronberg zum kleinen Residenzstädtchen. In der Folge ließen sich viele bedeutende und wohlhabende Persönlichkeiten, zumeist aus Frankfurt in Kronberg nieder und bauten sich prachtvolle Villen. Die Mutter Wilhelm II. widmete sich in vielfältiger Weise sozialen und kulturellen Belangen in dem Taunusstädtchen. Kaiserin Friedrich war auch künstlerisch tätig. Sie nahm bei Norbert Schrödl Malunterricht. Wenn Sie nicht Kaiserin geworden wäre, wäre sie Malerin geworden, äußerte sie einmal. Das Schloss, von einer prächtigen Parkanlage mit zahlreichen exotischen Bäumen umgeben, ist heute ein renommiertes, international bekanntes Hotel mit Golfanlage.

Eines der bedeutendsten Kronberger Historienbilder schuf Ferdinand Brütt (1849-1936) mit der „Aufbahrung von Kaiserin Friedrich in der Johanneskirche“ in ihrem Sterbejahr 1901. Der Künstler kann in die Reihe der bekannten impressionistischen Maler wie Max Liebermann, Max Slevogt oder Lovis Corinth gestellt werden.  

Der Schülergeneration von Anton Burger gehörten Philipp Franck oder Fritz Wucherer an. Gegen den starken Einfluss des Lehrers, der korrigierend in die Schülerarbeiten eingriff und erst zufrieden war, wenn kleine „Burger“ herauskamen, lehnte sich insbesondere der in Frankfurt gebürtige Philipp Franck (1860-1944) auf. Er befürchtete die „Verburgerung“ und zog in die Fremde. In Berlin erlangte er den Professorentitel und genoss großes Ansehen als Direktor der königlichen Kunstschule und gehörte zu den Begründern der Berliner Secession. Der „Maler zwischen Taunus und Wannsee“ kehrte im Alter in die Heimat zurück.

Fritz Wucherer (1873-1848), ein aus Basel stammender Künstler, hat die Burgstadt auf zahlreichen stimmungsvollen Bildern in allen Jahreszeiten festgehalten. Ungeachtet der aktuellen Malerei, sah er seine künstlerischen Vorstellungen in der Landschaftsmalerei von Barbizon verwirklicht. Auch Paris und Auvers sur Oise hatte der Künstler für Studienzwecke besucht. „Kunstrichtungen wie Naturalismus, Expressionismus, Kubismus berühren mich gar nicht. Ich habe sie bewusst abgelehnt… Als Richtlinie gilt nur das Schöne und Gesunde: ohne Ideale scheint mir die Kunst nicht denkbar“, so Fritz Wucherer. Mit Fritz Wucherer starb 1948 einer der letzten Künstler der Kronberger Malerkolonie.

Auch danach gab es noch Künstler in Kronberg, doch diese Zeit ist noch wenig erforscht. Bis heute halten sie sich gerne in der ehemaligen Malerkolonie auf und berufen sich auf deren Tradition. Künstler, wie Georgi Takev (1952) stellen noch immer ihre Staffeleien an den bekannten Malerwinkeln auf, um die reizvolle Landschaft zu malen.

Wo kann man Werke der Kronberger Maler sehen?
Werke der Kronberger Maler präsentiert das Kronberger Malerkolonie Museum in der ehemaligen Villa des Künstlers Heinrich Winter. Neben der ständigen Sammlung gibt es regelmäßig Sonderausstellungen zum Thema Malerkolonien.

Das Museum Giersch der Goethe-Universität veranstaltet, unter anderem, bemerkenswerte Ausstellungen und Retrospektiven die Kronberger Maler beinhalten. Die größte Sammlung Frankfurter-Kronberger Maler hat das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt. Doch nur die wenigsten Bilder sind in der ständigen Ausstellung zu sehen. Auch das Museum Wiesbaden besitzt zahlreiche Werke rund um die Kronberger Malerkolonie. Erwähnenswert ist die umfangreiche Sammlung an Werken von Louis Eysen.

Station 1: Künstlerlokal "Zum Adler"

Adresse: Friedrich-Ebert-Str. 13

Das Gasthaus „Zum Adler“ war Treffpunkt der Künstler. Sie kamen vor allem aus Frankfurt und fanden hier Unterkunft sowie Verpflegung. Bereits in den 1840er Jahren wanderten sie von der wachsenden Großstadt hinauf in das malerische Taunusstädtchen, um die Sommermonate dort zu verbringen. Hier konnten sie kostengünstig leben, unbeschwert malen und sich austauschen.

Ein Künstlerlokal ist typisch für eine Malerkolonie. Um es auch nach außen als solches kenntlich zu machen, hatte Anton Burger dem Doppeladler des Wirtshausschildes, statt Reichsapfel und Szepter, Pinsel und Palette in seine Krallen gemalt. Im „Malersaal“ schufen die Künstler Gemälde nach ihren draußen angefertigten Skizzen. Dort im „Olymp wurden auch gemeinsame Feste gefeiert, musiziert oder Theater gespielt. Mit direkt auf die Wände gemalten Motiven und auch Rahmen, schmückten die Künstler den großen Saal in der ersten Etage. Die 34 erhaltenen Darstellungen konnten vor der Renovierung gerettet werden.

Wie es in der frühen Zeit der Künstlerkolonie zugegangen ist, zeigt die humorvolle Karikatur von Anton Burger „Künstler streiten sich um die Bettdecke“ erahnen. Die 1846 entstandene Zeichnung gilt als frühestes datiertes Dokument der Kronberger Malerkolonie, das sich heute im Historischen Museum in Frankfurt, befindet. Mit wenigen Strichen hielt Anton Burger die sehr einfachen Verhältnisse fest. Zwei Maler mussten sich ein schmales Bett teilen, die Zudecke auch mit den benachbarten, frierenden Kollegen. Diese warteten bis die Freunde eingeschlafen sind, um ihnen dann das Federbett zu entwenden. Doch Anton Burger wachte auf und fuhr Philipp Rumpf an die Kehle. Gleichzeitig ergriff er mit der anderen Hand den Bettzipfel.

Im Jahr 1861 malte Anton Burger den „Adlerwirt“ namens Renker. Der charismatische Kronberger Maler erhielt in der Bayerischen Hauptstadt hierfür eine große Goldmedaille. Außerdem wurde das Gemälde von der Alten Pinakothek, München, erworben. Die enge Verbindung zur bayerischen Kunstmetropole hatte der Künstler seit seinem Aufenthalt in den 1840er Jahren, stets aufrechterhalten. Zu seinem 70. Geburtstag ernannte ihn die Bayrischen Akademie zum Ehrenmitglied und veranstaltete eine große Ausstellung mit dessen Werken.

Jakob Fürchtegott Dielmann soll 20 Jahre lang ein kleines Atelier im Dachgeschoß des „Adlers“ behalten haben. Der Künstler war 1809 in Frankfurt geboren und der älteste unter den Kronberger Malern. Er studierte am Städelschen Kunstinstitut und später an der Düsseldorfer Akademie. Nach einem Aufenthalt in der Malerkolonie Willingshausen, kehrte er nach Frankfurt zurück und ließ sich 1858, zusammen mit seinem Freund Anton Burger, in Kronberg nieder. Er war ein zurückhaltender Mensch und Künstler. An seinen kleinformatigen Bildern, mit biedermeierlich anmutenden dörflichen Szenen, malte er oft lange, bis er mit dem Ergebnis zufrieden war, während Burger mit schnellen Pinselstrichen ein Gemälde vollendete. Der heimliche Lehrer der Kronberger Künstler malte sonnendurchfluteten Bilder mit lockeren Pinselstrichen und hellen Farben. Die impressionistische Manier erinnert an die französische Kunst, wobei unbekannt ist, ob er sich jemals in Paris oder Barbizon aufgehalten hat.

Das Fachwerkhaus, ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert, wurde nach dem Brand von 1780 wieder als spätbarocker Putzbau errichtet. Das Fachwerk wurde um 1920 freigelegt. Leider hat sich seit der aufwendigen Renovierung kein Gastronom gefunden, der das historische Gebäude pachten und den Geist der Künstlerkneipe wieder aufleben lassen möchte.

Station 2.1: Schirnplatz - Streitkirche

Adresse: Schirnplatz

An der nördlichen Ecke des Schirnplatzes befindet sich die sogenannte „Streitkirche“. Das beeindruckende Gebäude erwarb der Apotheker Dr. Julius Neubronner im Jahr 1889. Im Erdgeschoss eröffnete er seine Apotheke und das Obergeschoss bewohnte er mit seiner Familie.

Dr. Neubronner stand im engen Kontakt mit den Malern. Er war ihr Freund und Mäzen. Besonders verbunden war er mit Anton Burger, der Patenonkel seines Sohnes Carl war. Zum Einzug malte ihm der Künstler für den Salon ein Deckengemälde mit Putten und Blumengirlanden. Hinter einer Wolke schauen die beiden Neubronner-Kinder hervor. An den hohen und repräsentativen Räumen hingen zahlreiche Gemälde von den Kronberger Malern.

Der engagierte Apotheker schrieb seine Erinnerungen an die Künstler nieder und wurde damit ihr erster Chronist. Als passionierter Photograph hielt er auch viele der Maler mit dem Stereoskop fest. Aufsehen erregte er durch seine Film- und insbesondere Luftaufnahmen, die er mit einem, vom ihm erfundenen, 40 g schweren Fotoapparat, mit selbsttätiger Auslösung, machte. Die kleine Kamera wurde Tauben um den Körper gebunden.

Die Bezeichnung Streitkirche kam erst im 20. Jahrhundert auf und verweist auf die interessante Vergangenheit des Gebäudes. Kronberg gehörte seit dem 18. Jahrhundert zum Mainzer Kurfürstentum. Dieses wollte in den 1730er Jahren für seine katholischen Einwohner, die ein Viertel der Bevölkerung ausmachte, eine Kirche errichten. Der überwiegend evangelische Ort wandte sich gegen den Bau, weil er in unmittelbarer Nachbarschaft zur evangelischen St. Peter und Paul Kirche errichtet wurde. Nach jahrelangem Streit wurde der Turm abgetragen und das Gebäude immer nur zivil genutzt.

In der 1. Etage war, bis zum Umzug in die Villa Heinrich Winter, das Maler-Museum untergebracht. Die Streitkirche gehört dem Kunsthändler und Galeristen Uwe Opper, der regelmäßig Ausstellungen, auch zu Kronberger Malern, veranstaltet.

Station 2.2: Schirnplatz - Schirnbrunnen

Adresse: Schirnplatz

Auf dem Schirnbrunnen thront die Bronzeplastik „Heimkehrende Bäuerin mit Ziege“. Mit dieser schuf der Bildhauer und Maler Fritz Best eine Erinnerung an das alte, noch dörfliche Kronberg. Sein Atelierhaus hatte der Künstler im Talweg 41, wo bis 2019 das Fritz-Best-Museum untergebracht war. Dort befindet sich auch eine verkleinerte Version der Bronzefigur.

Am alten Schirnbrunnen, der 1888 beim Bau der Wasserleitungen entfernt wurde, gab es auch eine Pferdetränke. Der neue Schirnbrunnen wurde 1973, durch Spenden aus der Bürgerschaft errichtet und die Steinmetzarbeiten von dem Kronberger Ehrenbürger Julius Hembus geschaffen. Bei der Errichtung des Brunnes konnte dieser auf das Gemälde „Der ehemalige Schirnbrunnen in Kronberg“ von Alfred von Schönberger, um 1900 gemalt, zurückgreifen. Der österreichische Künstler lebte zeitweise in der Bahnhofstraße 11. Den wohlklingenden Namen hatte er sich selbst zugelegt. Das Nachlassgericht in Königstein hatte, nach seinem Tod 1910, aufgedeckt, dass er eigentlich Alois Dittrich hieß.

Die Bezeichnung „Schirn“ geht auf das Mittelalter zurück. In dieser Zeit bekam Kronberg die Marktrechte verliehen. Die damaligen Verkaufsstände, vor allem die der Metzger, hießen Schirnen. Bis 1928 war hier der Sammelplatz für die Erdbeertransporte nach Frankfurt. Von dem zentralen Platz der Kronberger Altstadt führen Straßen in alle Himmelsrichtungen.

Station 3.1: St. Johann Kirche

Adresse: Doppesstr. 3

An der Westseite der Johanniskirche, am Glockenturm, befindet sich das Denkmal für Kaiserin Friedrich. Es wurde 1903 von dem, von ihr geschätzten, und bekannten Bildhauer, Adolf von Hildebrandt, geschaffen. Das Marmorrelief mit der Grablegung Christi, erinnert an die großzügige Wohltäterin für Kronberg und die Kirche. Die Restaurierung des Gotteshauses von 1897 hatte sie beauftragt. Norbert Schrödl, der mit ihr befreundete Künstler, stand ihr nicht nur beratend zur Seite, sondern restaurierte auch die Wandmalereien und den doppelflügelige Marienaltar. Im oberen Teil des Denkmals ist das Porträt der Kaiserin mit Witwenschleier zu sehen. Als sie 1901 nach langem Leiden verstarb, wurde sie im Fackelschein vom Schloss in die St. Johann Kirche überführt. Zur Trauerfeier kamen, neben ihrer Familie, zahlreiche fürstliche und prominente Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland nach Kronberg, um von ihr Abschied zu nehmen. Auch die Kronberger Bevölkerung konnte sich von ihrer geliebten Kaiserin verabschieden. Danach wurde der Leichnam mit einem Sonderzug nach Potsdam gebracht. Die Beisetzung fand im dortigen Mausoleum an der Friedenskirche statt. Dort lagen bereits ihr 1888 verstorbener Mann Friedrich III., der schicksalhafte 99-Tage-Kaiser sowie ihre beiden früh verstorben Söhne, Sigismund und Waldemar.

Die „Aufbahrung von Kaiserin Friedrich“ in der Johanneskirche, hat Ferdinand Brütt, 1901, in einem großformatigen Gemälde festgehalten. Viele bedeutende Persönlichkeiten aus ganz Europa sind um den blumengeschmückten und hellbeschienenen Sarg versammelt. Brütt konnte dafür auf eine Fotografie von Julius Neubronner zurückgreifen. 2001 zum 100. Todestag der Kaiserin wurde es von der Stadt Kronberg erworben und ist im Museum Kronberger Malerkolonie in der Villa Winter zu sehen.

Ferdinand Brütt, ein gebürtiger Hamburg Künstler, hatte an der dortigen Kunstgewerbeschule, danach in Weimar und in Düsseldorf studiert. In der rheinischen Kunststadt war er später selbst als Lehrkraft tätig. Nach Kronberg kam er dann 1898 mit 49 Jahren. Im Gegensatz zur ersten Generation der Kronberger Maler schuf er vor allem Gesellschaftsdarstellungen oder regionale Historien. Stilistisch ist sein Werk dem Impressionismus zuzuordnen.

Die St. Johann Kirche wurde bei einem Brand von 1437 zerstört und innerhalb von nur 13 Jahren wieder neu aufgebaut. Lediglich der Chor ist noch aus der Ursprungszeit. Die geräumige Saalkirche gehörte dem Kronberger Adelsgeschlecht, dem Kronen- und Flügelstamm der Ritter und späteren Grafen von Kronberg. Die ehemals katholische St. Johann Kirche wechselte seit der Reformation (um 1526) mehrmals die Glaubensrichtung und ist heute ein evangelisches Gotteshaus.

Sehenswert in der einschiffigen Kirche ist das hölzerne Tonnengewölbe, mit Malereien, die der Meister Spangenberg 1617 schuf. Das Deckenbild zeigt symmetrische Renaissanceornamente mit spielenden und musizierenden Putten dazwischen. Die Wandmalereien mit biblischen Themen, am Chor und an den Langhauswänden, stammen im Wesentlichen von der Restaurierung von 1897. Das kostbarste Kunstwerk ist der gotischer Marienaltar an der Südwand des Chores, um 1440 von einem unbekannten mittelrheinischen Künstler geschaffen. Das Relief der Innenseite zeigt Marias Tod.

Station 3.2: Anton Burger

Adresse: Doppesstr. 3

Im Jahr 1858 zog Anton Burger von Frankfurt nach Kronberg. Nachdem er zunächst in einer Dachstube des Gasthauses "Zum Adler" wohnte, bezog er ein Jahr später, nach der Hochzeit mit seiner 2. Frau Anna Küster, eine Wohnung in dem historischen Haus. Sie war die Tochter des ehemaligen herzoglich nassauischen Amtsarztes Dr. Ferdinand Küster, der den Kurbetrieb im Kronthal aufbaute. Anton Burgers erste Frau Katharina Elise, die er in Frankfurt geheiratet hatte, war 1856 an der Schwindsucht gestorben.

Das Ehepaar lebte hier zusammen mit Burgers Tochter Anna aus 1. Ehe. 1862 wurde dann die 2. Tochter Louise geboren. Sie heiratete später Nelson Kinsley, einen Schüler von Anton Burger.

Seine Töchter und seine Frau hielt Anton Burger mehrfach in Zeichnungen oder Gemälden fest. Auf einigen sind sie musizierend und singend dargestellt. Tochter Anna erhielt von ihrer Stiefmutter Anna Klavierunterricht. Sie wurde später eine bekannte Opernsängerin. Auch Anton Burger sang gerne beim Malen. Manchmal begleitete ihn seine Frau an der Zither. An so manchen Sommerabenden sollen sich Zuhörer unterhalb des Fensters versammelt haben, um den Klängen zu lauschen.

Großformatige Werke mussten, was allgemeines Aufsehen erregte, durch das Fenster auf die Straße heruntergelassen werden.

Einer Anekdote zu folge, soll Anton Burger von seinem Fenster aus, heimlich vorbeigehende oder schwätzende Kronberger Bürger mit einem Pusterohr und Kügelchen beschossen haben, die sich dann verwundert umschauten. Burgers Freund Wilhelm Busch, den er in München kennengelernt hatte, soll durch diesen Streich zur Bildergeschichte „Pusterohr“ angeregt worden sein.

Das historische Gebäude wurde 1573 von dem Reichsritter Hartmuth dem XIII. und seiner Frau Margarethe Brendel, der Schwester des Kurfürsten von Mainz, errichtet. Die Doppesstraße, innerhalb der ersten Stadtmauer gelegen, gehört zu den ältesten Stadtteilen Kronbergs.

Station 4: Philipp Rumpf

Adresse: Doppesstr. 4

In dem Gebäude war die erste Kronberger Apotheke untergebracht, die von den Vorfahren von Dr. Julius Neubronner geleitet wurde. Im Obergeschoss hatte Philipp Rumpf in den Sommermonaten ein Zimmer gemietet. Er zählt, zusammen mit Anton Burger und Jakob Fürchtegott Dielmann, zu den Begründern der Malerkolonie. Der Künstler leitete in Frankfurt eine Malschule, die er dann schloss, um wieder selbst malen zu können. Er übersiedelte 1875 nach Kronberg. Vorher hielt er sich nur in den Sommermonaten in dem Taunusstädtchen auf.

Philipp Rumpf malte 1849, die kleine Ölstudie „Interieur mit Ausblick auf die Johanniskirche“, die einen Einblick in die schlichten biedermeierlichen Verhältnisse gibt. Ansonsten war der Künstler für seine innigen Mutter-Kind-Darstellungen bekannt. Meistens fand er seine Modelle in seiner Familie. Er hatte sieben Töchter. Später ist Philipp Rumpf wieder nach Frankfurt gezogen und verstarb dort 1896.

Auch sein Sohn Emil Rumpf, der ebenfalls Maler geworden ist, lebte zeitweise in dem Gebäude. Gleich neben an, im Haus von Pfarrer Christ, soll der Künstler Jakob Fürchtegott Dielmann mit seiner Familie gewohnt haben.

Nelson Kinsley, der aus Amerika stammende Maler und spätere Schwiegersohn von Anton Burger, hielt mehrfach die Straße in Gemälden wie „Verschneiter Doppes“ oder „Blick auf Johanniskirche“ fest.

Die Straßenbezeichnung „Doppes“ kommt von „Dubhus“, also von „Taubenhaus“. In der Straße sind Tauben unter den Dächern gehalten worden. Sicher auch die Brieftauben der Neubronners, die Rezepte aus Königstein nach Kronberg in die Apotheke brachten.

Station 5: Adolf Schreyer

Adresse: Doppesstr. 17

Der junge Adolf Schreyer lebte zeitweise in dem Haus des Gärtners Müller. Später erwarb der erfolgreiche Künstler dann die Villa in der Hainstraße 11. Zusammen mit seiner Frau Mary konnte er ein großzügiges Leben führen. Sie hatten keine Nachfahren, sodass die Villa 1969 abgerissen wurde. An deren Stelle befinden sich heute die Neubauten mit den Hausnummern 15 und 17.

Adolf Schreyer war ein bedeutender Pferdemaler. Äußerst beliebt waren seine arabischen Reiterdarstellungen. Von Paris aus, ist er mehrfach nach Algerien gereist und hat sich von den feurigen Tieren inspirieren lassen. Mit seinen Schlachten- und orientalischen Reiterbildern kam der weitgereiste Künstler zu großem Wohlstand.

In den Sommermonaten lebte Schreyer in der Kronberger Villa in der Hainstraße. Besucher von nah und fern kamen angereist. Die Wintermonate residierte der Künstler in einem Hotel in Paris. Mit dem in der Nachbarschaft wohnenden Norbert Schrödl, war der Künstler befreundet. Dieser schuf von dem Künstlerkollegen ein hervorragendes Porträt.

Während des Deutsch-Französischen-Krieges (1870/71), war in der Villa ein Lazarett untergebracht, das Kaiserin Friedrich von Bad Homburg aus besuchte. 1895 bekam Adolf Schreyer von der Stadt Kronberg für seine vielfältigen Verdienste die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Von der Doppestraße 17 aus, hat man einen schönen Blick über die Häuser hinweg, zur Burg hinauf. Von dem malerischen Winkel gibt es das Gemälde „Spaziergang in Kronberg“, das Anton Burger 1883 schuf.

Station 6: Peter Burnitz und Norbert Schrödl

Adresse: Hainstr. 18

In der stattlichen Villa lebte zunächst der, 1824 in Frankfurt geborene, Landschaftsmaler Peter Burnitz. Der Vollweise Knabe wuchs bei seinem Onkel, dem bedeutenden Frankfurter Architekten Rudolf Burnitz auf. Er studierte Rechtswissenschaften in Berlin, Göttingen und Heidelberg. Nach der Promotion wurde Peter Burnitz 1847 in Frankfurt als Rechtsanwalt zugelassen. Eine längere Reise nach Italien bekräftigte ihn in dem Entschluss, sich der Malerei zu widmen. Er ging von 1851-57 nach Paris und nahm Kontakt mit den französischen Landschaftsmalern von Barbizon, etwa 60 km südöstlich von Paris gelegen, auf. Charles-Francois Daubigny und Camille Corot wurden seine Vorbilder. Peter Burnitz beteiligte sich auch erfolgreich an den Ausstellungen des Pariser Salons. Sogar Napoleon III. erwarb eines seiner Gemälde. Wie die Künstler aus Barbizon bevorzugte Burnitz die Freilichtmalerei. Außerdem malte er keine großen Panoramen, sondern einfache und unbedeutende Motive aus Wald und Wiese, sogenannten „intimen Landschaften“. Auch die gedämpfte Farbgebung der Barbizon-Maler entsprach seinem Naturell. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich lebte der Künstler mit seiner Familie in Kronberg. Er freundete sich mit den dortigen Malern an und brachte ihnen die neue französische Landschaftsauffassung näher. Im Jahr 1886 verstarb Peter Burnitz.

Ein Jahr später, 1887, erwarb der bekannte Porträtist, Norbert Schrödl, mit seiner Frau Else das Anwesen und baute es seinen Vorstellungen entsprechend um. Der 1842 in Wien geborene Sohn eines Bildhauers und Elfenbeinschnitzers, kam nach seinem Studium in Paris, im Jahr 1855 nach Frankfurt, an das Städelsche Kunstinstitut. Jakob Becker, der in Düsseldort ausgebildete Genremaler und Lehrer der meisten Kronberger Maler der ersten Generation, wurde sein Lehrer. In dieser Zeit kam er auch erstmals nach Kronberg, um dort zu malen. Später lebte er in Berlin. Dort hatte Kronprinzessin Victoria Kontakt mit ihm aufgenommen und ihn in seinem Atelier besucht. Seitdem blieben sie in freundschaftlicher Verbindung.Die höhere Gesellschaft aus Kunst, Wissenschaft, Politik und Adel, aus Kronberg und Frankfurt, traf sich in der prächtigen Villa. Ein Gästebuch verrät die prominenten Namen. Viele von ihnen ließen sich von dem Künstler porträtiert. Kaiserin Friedrich, deren Schloss seit 1894 in der Nachbarschaft stand, nahm bei ihm Malunterreicht. Sie war gelegentlicher Gast bei den Schrödls. Und im Gegenzug war das Ehepaar Schrödl häufig in Schloß Friedrichshof eingeladen. 1894 wurde Norbert Schrödl zum preußischen Professor ernannt. Der Künstler hatte zeitweise ein Atelier in Berlin, Frankfurt und in Baden Baden. Der beliebte Porträtist der wohlhabenden Herrschaften konnte das Leben eines Malerfürsten führen. Norbert Schrödl starb 1912 in Kronberg. „Ein Künstlerleben im Sonnenschein“, so hatte seine Frau Else die Biografie betitelt, die sie 1922, veröffentlichte.

Station 7: Schillerweiher, Burgerdenkmal

Adresse: Schillerstr.

Das Burger-Denkmal am Schillerweiher entstand auf Anregung von Dr. Paul Roediger. In dessen Schönberger Villa waren Anton Burger und seine Freunde gern gesehene Gäste. Der Sammler und Mäzen würdigte die Verdienste des charismatischen Künstlers, der viele andere Kollegen und Malschüler in den Taunusort zog.

Die Bronzebüste von Anton Burger wurde 1908 von dem Münchner Bildhauer Karl Ludwig Sand geschaffen. Auf dem Denkmal ist der Künstler mit einem typischen Jägerhütchen auf dem Kopf dargestellt. Damit wollte der Bildhauer zum Ausdruck bringen, dass Burger ein ebenso leidenschaftlicher Maler, wie Jäger, war. Von Frankfurter und Kronberger Jagdpächtern wurde er gerne eingeladen, an deren Jagdveranstaltungen teilzunehmen. Später hatte er auch eine eigene Jagd. Motive rund um die Jagd spielten in Burgers Schaffen eine wichtige Rolle. Er malte sommerliche und winterliche Jagdszenen beim Aufbruch oder bei der Heimkehr, Treibjagden, Jagdgesellschaften oder erlegtes Wild. Es hieß, dass der Künstler während der Jagd ungemalte Bilder, die er mündlich beschrieb, an den Meistbietenden versteigerte.

Der Brunnen ist aus ungeschliffenem Treuchtlinger Marmor gestaltet. Zu beiden Seiten liegen aus Bronze gegossene Rehe. Die ursprünglichen, 1942 für Kriegszwecke eingeschmolzenen Rehe, wurden 1987 von Ilona und Karl Barth erneuert.

Station 8: Mathilde Knoop-Spielhagen

Adresse: Frankfurterstr. 17

Die in Bremen geborene Künstlerin lebte später mit ihrer wohlhabenden Familie in Wiesbaden. Ihr Großvater hatte in Rußland die Textilindustrie mit aufgebaut und war vom Zaren für seine Verdienste zum erblichen Baron ernannt worden. Mathilde Knoop kam in den 1880er Jahren nach Kronberg an die Malschule von Anton Burger. Obgleich sie stilistisch unter dem Einfluss ihres Lehrers stand, zeugen die wenigen bekannten Kunstwerke von ihrer künstlerischen Begabung.

In dem Taunusstädtchen lernte sie den Arzt Dr. Friedrich Spielhagen kennen, den sie 1895 heiratete. Das Ehepaar wohnte in dem Haus in der Frankfurter Straße 17. Dr. Spielhagen war der Leibarzt von Kaiserin Friedrich. Dadurch bekam die Malerin die Gelegenheit, die Monarchin zu porträtieren.

Mathilde Knoop-Spielhagen verstarb mit nur 41 Jahren. Nach ihrem Tod arbeitete die Kronberger Bildhauerin Hedwig Ostertag in ihrem Atelierhaus im Garten.

Gegenüber dem Spielhagenschen Haus befindet sich der Alte Friedhof, in dem 1884 die letzte Beerdigung stattfand. Bei der Anlegung der Hartmuthstraße im Jahr 1896, wurde ein Teil des Friedhofes einbezogen. Viele Gräber und Gedenksteine verschwanden nach der Umlegung des Friedhofes in die Frankfurter Straße und die Umfriedungsmauer wurde abgetragen. Heute ist der alte Friedhof eine Parkanlage.

Im Zentrum des Geländes ragt das Grabmal des Ritters Kaspar II. hervor, den Künstler wie Anton Burger oder Fritz Wucherer gemalt haben.

Station 9.1: Frankfurterstr. 23 und Anton Burger

Adresse: Frankfurterstr. 23

Wachsender Erfolg und damit auch Wohlstand, erlaubten es Anton Burger, ein stattliches dreistöckiges Haus in der Frankfurter Straße 21 zu errichten. Auf der Rückseite bot das große Atelierfenster einen herrlichen Blick über den baumbestandenen Garten, der bis hinunter zu den Bahngleisen reichte, sowie auf die Bergketten und Wiesenhänge seines geliebten Taunus. Burgers Frau Anna erlebte den Umzug in das neue Haus nicht mehr, sie starb im Dezember 1876. Ihre gemeinsame Tochter Louise, die dann den Burger-Schüler Nelson Kinsley heiratete, zog mit ein. 1882 heiratete Anton Burger seine ehemalige Schülerin Pauline Fresenius.

Anton Burger hatte sich in dem Haus ein großräumiges Atelier eingerichtet. An den hohen Wänden hingen zahlreiche Bildern von ihm selbst und seinen Künstlerfreunden. Unter dem Dach war die Malschule untergebracht. Dort übernachteten regelmäßig einige seiner Schüler. Sie lebten im Haushalt mit und es herrschte eine familiäre Atmosphäre. Tagsüber wurde fleißig gearbeitet und abends gefeiert und Besuch empfangen. Anton Burger bildete durch die Malschule und durch seine charismatische Persönlichkeit den Mittelpunkt der Künstlerkolonie. So gutmütig er als Mensch war, so streng war er als Lehrer. Immer wieder wies der Meister auf die unmittelbare Anschauung der Natur als Quelle aller Malerei hin. Er führte die Schüler hinaus in die Natur, und machte Ihnen die Schönheit von schlichten Motiven bewußt. Der Meister malte häufig korrigierend in die Bilder seiner Schüler hinein. Philipp Frank bezeichnete das als „Verburgerung“.

Zu Burgers Schülern zählten Adolf Chelius, Nelson Kinsley, Emil Rumpf, Fritz Wucherer, Philipp Franck und Ferdinand Balzer. Seiner Malschule gehörten viele „Malweiber“ an, wie sie damals genannt wurden, darunter Berta Bagge, Pauline Fresenius, Mathilde Knoop (Spielhagen), Minna Roberth (Tochter des Frankfurter Arztes Roberth und Burger-Mäzen), Pauline Stiebel (Tochter des Arztes und Kunstfreundes Dr. Stiebel) und Emilie Hoeffler (Tochter des Frankfurter Künstlers Adolf Hoefflers). Da die Künstlerinnen an den Akademien erst nach 1919 aufgenommen wurden, waren sie gezwungen, bei Privatlehrern zu studieren. Von seinen Schülerinnen umringt, zog der „König von Kronberg“, wie ihn die Malschüler nannten, stolz durch die Gassen.

Nach Anton Burgers Tod, 1905, lebten Tochter Louise und sein Schwiegersohn Nelson Kinsley weiter im Burgerhaus.

1906 benannte man eine Straße nach dem Kronberger Ehrenbürger. In dem neuen Viertel, gegenüber von Burgers Haus, wurden immer mehr Häuser gebaut. Der Stadtteil wurde als Malerviertel bezeichnet und die Straßen nach Kronberger Malern benannt.

Station 9.2: Frankfurterstr. 23 und Pauline Fresenius

Adresse: Frankfurterstr. 23

Die 1853, wohl in Frankfurt, geborene Pauline Fresenius stammte weitläufig aus der großen Familie des bedeutenden Chemikers Carl Remegius Fresenius. Von 1873 bis 1874 war sie Schülerin des Frankfurter Malers Angilbert Göbel. Dieser war eng mit Anton Burger befreundet und verbrachte gerne die Sommermonate in Kronberg. Er vermittelte die gelehrige Schülerin weiter an seinen Malerfreund, bei dem sie von 1875 bis 1881 in den Unterricht ging. In Kronberg wohnte Pauline zusammen mit ihrer Mutter und Schwester Sophie in der Frankfurter Straße. Sie wurde 1882 die dritte Ehefrau des fast dreißig Jahre älteren Anton Burger.

Nach der Hochzeit gab die erfolgversprechende Künstlerin das Malen auf und widmete sich, den gesellschaftlichen Gepflogenheiten entsprechend, ganz dem Wohle ihres Mannes. Nur gelegentlich schuf sie noch Aquarelle. Die Ehe war trotz des großen Altersunterschiedes sehr glücklich. Als Burger gesundheitliches Befinden nachließ, pflegte sie ihn mit großer Hingabe.

Wenige Tage nach der Einweihung des Burger-Denkmals am Schillerweiher im Jahr 1908, verstarb die herzkranke Pauline und wurde an der Seite ihres Mannes beigesetzt.

Station 9.3: Frankfurterstr. 23 und Nelson Kinsley

Adresse: Frankfurterstr. 23

Nelson Kinsley war ein gebürtiger Amerikaner aus Massachusetts. Nach dem Tod des vermögenden Vaters, unternahm die Mutter mit den beiden Söhnen eine Europareise. 1872 ließen sie sich in Frankfurt nieder. Der 15-jährige Nelson kam nach Kronberg, um von 1878 bis 1882 die Malschule von Anton Burger zu besuchen. Seine Studien setzte er in Düsseldorf fort. Nach der Heirat mit Louise Burger, der Tochter seines Kronberger Meisters, zogen die beiden nach Karlsruhe. An der dortigen Kunstakademie schloss er seine malerische Ausbildung ab. 1897 kehrte er dann mit seiner Familie nach Kronberg zurück und lebte zunächst in der Bahnhofstraße 17. Nach Anton Burgers und Paulines Tod bezogen er 1908 das Burgerhaus in der Frankfurter Straße 21. Ähnlich wie sein Schwiegervater, war Kinsley ein leidenschaftlicher Jäger und Maler von Jagdszenen. Mit seinem Malkasten zog er in den Taunus, um vor Ort stimmungsvolle Taunuslandschaften zu malen. Häufig wählte er einen Jagdsitz als Standpunkt.

Station 10: Ferdinand Brütt

Adresse: Frankfurterstr. 25

In dem Haus in der Frankfurter Straße 23 lebte der 1849 in Hamburg geborene, Ferdinand Brütt mit seiner Familie. Er begann in seiner Geburtsstadt an der Kunstgewerbeschule zu studieren, wechselte dann an die Kunstakademien in Weimar und Düsseldorf. Danach wirkte er in der rheinischen Kunststadt als Lehrer und wurde 1893 zum königlichen Professor ernannt. Der erfolgreiche Künstler zog aus gesundheitlichen Gründen 1898, im Alter von 49 Jahren, nach Kronberg und erwarb die stattliche Villa mit Garten, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Anton Burger. Schnell freundete er sich mit den Künstlern des „Malernests“ an, das sich mittlerweile zur kleinen Residenzstadt entwickelt hatte.  

Durch seine großformatigen und figurenreichen Historienbilder hatte Ferdinand Brütt in Düsseldorf große Anerkennung erlangt. Er malte nicht nur bedeutende historische Ereignisse, sondern auch Besonderheiten aus der lokalen Geschichte. Sein, für Kronberg, bedeutendstes Gemälde, ist die „Aufbahrung von Kaiserin Friedrich in der Johanneskirche“.

Ferdinand Brütt war ein Maler des Gesellschaftslebens. Seine bürgerliche Genremalerei unterscheidet sich von den Alltagsmotiven eines Anton Burger oder Jakob Fürchtegott Dielmann. Statt detailgetreu und anekdotisch zu malen, hielt er, häufig unbeschwerte Szenen, mit lockeren, schwungvollen Pinselstrichen in impressionistischer Manier fest. Seine eher brauntonige, aus Düsseldorf mitgebrachte, Farbpalette hellte sich im besonderen Licht des Taunussüdhanges merklich auf. Zusammen mit den jüngeren Malerkollegen Philipp Franck und Fritz Wucherer, gehörte er zu den Kronberger Künstlern, die flüchtige Momentaufnahmen im Bild festhielten.

Für den Frankfurter Römer hatte Ferdinand Brütt Wandmalereien mit bedeutenden Themen der Frankfurter Geschichte des 19. Jahrhunderts, sowie Porträts der verstorbenen Oberbürgermeister, geschaffen. Nur letztere haben den Bombenangriff im 2. Weltkrieg überlebt.

Obgleich die 22 Kronberger Jahre für den Künstler sehr erfolgreich waren, entschied er sich 1920 zu einem Umzug nach Bergen bei Celle, wo er, zusammen mit seiner Ehefrau Ida, bei seiner Tochter lebte. 1936 verstarb Ferdinand Brütt dort im Alter von 87 Jahren.

Station 11.1: Friedhof, Grab: Jacob Maurer

Adresse: Frankfurterstr.

Auf dem Ende 19. Jahrhundert, vor den Toren Kronbergs, in der Frankfurter Straße,  errichteten Friedhof, sind eine Reihe von Kronberger Künstler beigesetzt worden. Ihre Aufzählung erfolgt chronologisch nach dem Sterbejahr.

Die Grabplatte des Landschaftsmalers Jacob Maurer haben seine Künstlerfreunde gestiftet. Sie befindet sich gleich neben dem dem Grab seines Freundes Anton Burger.

Der 1826 in Obereschbach, als Sohn eines Drechslermeisters, geborene Jacob Maurer, wuchs in Frankfurt auf. Als Kind zeichnete er in einem Antiquariat Graphiken nach. Der Großvater ermöglichte ihm Privatunterricht bei dem Frankfurter Maler Carl Theodor Reiffenstein. 1843 wechselte der junge Künstler dann an das Städelschen Kunstinstitut, um zeitweise bei dem Genremaler Jakob Becker zu studieren. Dort lernte er Anton Burger und weitere Künstler der späteren Kronberger Malerkolonie kennen. 1851 wechselte er an die Düsseldorfer Akademie. Er unternahm Reisen nach Italien und in die Niederlande, um die alten Meister zu studieren. Erst 1869 kehrte er in die Heimat zurück und siedelte sich in Kronberg, im „Frankfurter Hof“ (Frankfurter Straße/Ecke Hainstraße), an.

Der Landschaftsmaler fand seine Motive in der unmittelbaren Umgebung. Viele seiner Gemälde zeigen die Auseinandersetzung mit den Malern von Barbizon. Stilistisch wird mit dem hingetuschten Pinselstrichen die Nähe zu Jean-Baptiste Camille Corot deutlich. Ob sich Maurer jemals in Paris oder Barbizon aufgehalten hatte, ist nicht bekannt. Auch durch den engen Kontakt mit dem Landschaftsmaler Peter Burnitz, kam er mit der französischen Landschaftsauffassung in Berührung.

1887 starb Jacob Maurer im Alter von 60 Jahren in Kronberg. Viele Jahre vor seinem Freund Anton Burger.

Station 11.2: Friedhof, Grab: Adolf Schreyer

Adresse: Frankfurterstr.

Das stattliche Grabmal von Adolf Schreyer zeugt vom Wohlstand des Künstlers. Im Gegensatz zu seinen Kronberger Künstlerkollegen malte er keine Motive aus dem idyllischen Kronberg, sondern hielt seine Reiseerlebnisse im Zusammenhang mit Pferden fest. Seine orientalischen Pferdedarstellungen waren auch in Amerika sehr beliebt.

Adolf Schreyer hatte zwei Schüler, Heinrich Winter und Emil Rumpf, der Sohn von Philipp Rumpf, die sich mit ihm die Vorliebe für Pferde- und Militärszenen teilten.

Im Jahr 1895 war Adolf Schreyer zum Kronberger Ehrenbürger ernannt worden.  Die letzten drei Jahre seines Lebens verbrachte der unter Herzbeschwerden leidende Künstler nur noch in der Heimat. 1899 starb Adolf Schreyer im 71. Lebensjahr in Kronberg. im Künstlerviertel wurde eine Straße nach ihm benannt.

Station 11.3: Friedhof, Grab: Anton Burger

Adresse: Frankfurterstr.

Anton Burger starb 1905, nach längerem Leiden. Sein Name wurde in einen großen Taunusfelsen gemeiselt. Der 1824 in Frankfurt geborene Künstler, lebte rund 47 Jahre in seinem geliebten Kronberg. Er äußerte einmal: „Ich für meine Person erachte jeden Tag als verloren, den ich nicht in Kronberg verbringen kann. Mein ganzes Leben daselbst liegt vor mir wie ein einziger schöner Frühlingstag, und ich schätze mich reicher als der reichste Mann, obschon ich kein Geld habe. In der Arbeit liegt der Segen, und meine Arbeit ist mir eine ständige Freude. Ich finde in Kronberg auf Schritt und Tritt die schönsten Motive, so dass ich oft bete: Herr Gott, halt ein mit deinem Segen.“ Im gleichen Grab ruht seine ehemalige Schülerin und dritte Ehefrau, Pauline Fresenius.

Station 11.4: Friedhof, Grab: Heinrich Winter

Adresse: Frankfurterstr.

Heinrich Winter wurde 1843 in Frankfurt, als Sohn eines Buchhändlers geboren. Seine künstlerisch begabte Mutter förderte das Talent des Sohnes, er studierte am Städelschen Kunstinstitut und war Privatschüler von Professor Jakob Becker.  Von 1864 bis 1867 hielt er sich dann in Kronberg auf und wohnte im Gasthof „Zum Adler“. Pferde waren von Anfang an sein bevorzugtes Thema. Adolf Schreyer übte in diesen Jahren einen starken Einfluß auf den jungen Künstler aus. Dieser veranlasste ihn zu Studienaufenthalten in Ungarn und Paris. Der Kriegsausbruch 1870 brachte den Künstler wieder nach Frankfurt zurück. Er schloß sich dem freiwilligen Sanitätskorps an und erlebte hautnah die Schrecken des Krieges mit. Die Erlebnisse hielt er in seinen Bildern fest. Nach dem Krieg war Heinrich Winter Förderer des Kriegervereins, außerdem betätigte er sich politisch als engagiertes und langjähriges Magistratsmitglied. 1911 starb er in Kronberg und wurde im großen Familiengrab beigesetzt.  Auch Heinrich Winters Söhne Rolf und Harold, die künstlerisch tätig waren, sind in dem Grab beigesetzt. Rolf Winter wurde 1881 in Kronberg geboren und starb 1968 ebendort. Er studierte die Malerei, zunächst bei seinem Vater und dann an der Karlsruher Kunstakademie. Nach einem Aufenthalt in München, ließ er sich 1912 in Oberursel nieder. Der Landschaftsmaler machte sich auch als Dichter einen Namen.  Sein jüngerer Bruder Harold Winter, 1887 in Frankfurt geboren und 1969 in Oberursel verstorben, wurde Bildhauer. Er studierte am Städelschen Kunstinstitut und in Paris an der Adadémie Ránson. 1912 ließ er sich als freier Bildhauer ebenfalls in Oberursel nieder. Besonders tat er sich als Bildnis- und Tierplastiker hervor. Für seine Wahlheimat schuf er den St. Ursula-Brunnen.  Die Brüder-Winter-Straße in Oberursel erinnert an die beiden Künstler.

Station 11.5: Friedhof, Grab: Wilhelm Friedenberg

Adresse: Frankfurterstr.

Wilhelm Friedenberg wurde 1845 in Frankfurt geboren. Er ging nach München an die Kunstakademie, um bei dem Historienmaler Wilhelm Ludwig Lindenschmidt zu studieren. Von 1862 – 68 war Eduard von Steinle am Städelschen Kunstinstitut sein Lehrer. Danach ließ sich der junge Maler in Kronberg nieder und freundete sich mit den hiesigen Künstlern an. Zusammen mit seiner Familie wohnte er in der Burgerstraße 14. Seine und Anton Burgers Familie waren sehr musikalisch und musizierten gerne zusammen. Am Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 nahm Friedenberg aktiv teil und wurde mit Kriegsmedaillen geehrt.

Der Genre- und Porträtmaler hielt an den künstlerischen Traditionen fest. Auch wenn die Kritik nicht immer glänzend ausfiel, konnte er seine Bilder gut verkaufen. Förderlich für seinen Ruf, war, dass er für die Kaiserfamilie und für die des Kronprinzen Porträts schuf, ebenso wie von Otto von Bismarck und dessen Kriegsminister Albrecht von Roon.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit unterrichtete Friedenberg, der 1884 zum Professor ernannt wurde, junge Damen an höheren Lehranstalten und hatte damit einen lukrativen Nebenverdienst.  Der allseits geschätzte Künstler war Mitglied des Kriegervereins. Er half den Vereinen gerne bei Dekorationsarbeiten für Feste oder wenn gekrönte Häupter nach Kronberg kamen. Später war er auch Stadtverordneter, da ihm sehr an der Erhaltung des malerischen Kronbergs lag. Auch für die Schonung der alten Kastanienbäume und die Anpflanzung von Setzlingen engagierte sich der leidenschaftliche Jäger.

Ein unerkanntes Herzleiden und eine heftige Grippe setzten dem Künstler so zu, dass er 1911 verstarb.

Station 11.6: Friedhof, Grab: Nelson Kinsley

Adresse: Frankfurterstr.

Der gebürtige Amerikaner besuchte in Kronberg die Malschule von Anton Burger. Durch die Heirat dessen Tochter Louise, wurde er später auch sein Schwiegersohn. Das Ehepaar lebte zeitweise in Karlsruhe, wo die Schwester Anna Burger als Opernsängerin erfolgreich war, und zog, als es Anton Burger gesundheitlich nicht mehr so gut ging, wieder zurück nach Kronberg. Seitdem unternahm er kaum mehr Reisen, denn ähnlich wie sein Schwiegervater, war er der Meinung, dass er in einem landschaftlich und klimatisch so ausgezeichneten Ort wohne, zu dem von weither Leute kommen, warum sollte er Reisen machen? Nelson Kinsley starb am 2.5.1945, mit 81 Jahren, während der Besatzung Kronbergs durch die Amerikaner.

Station 11.7: Friedhof, Grab: Hedwig Ostertag

Adresse: Frankfurterstr.

Hedwig Ostertag wurde 1877 in Kronberg, als Tochter des Arztes Dr. Josef Ostertag, geboren. Ihr Vater war Leibarzt von Kaiserin Friedrich und ihr Onkel war der langjährige verdiente Kronberger Bürgermeister Georg Jamin. Hedwig Ostertag wuchs in der Villa Philippe in der Hainstraße 3 in Kronberg auf. Bei den Besuchen von Kaiser Wilhelm II. wurde sie als Kronberger Ehrenjungfrau vorgestellt und erhielt eine „Kaiserbrosche“ geschenkt. Sie besuchte das Mädchenpensionat, das Kaiserin Friedrich im ehemaligen Kronthaler Kurhaus gegründet hatte, das auch bürgerliche Mädchen aufnahm. Ihre künstlerische Begabung zeigte sich schon früh und sie hatte die Möglichkeit, nach 1900 eine Ausbildung in der Bildhauerklasse des Städelschen Kunstinstitutes zu beginnen. Der Wiener Bildhauer Joseph Kowazik war einer ihrer Lehrer und langjähriger Freund. Unter ihren Studienkollegen war auch der Bildhauer Harold Winter. Die junge Bildhauerin erhielt ein Stipendium für Paris. Dort studierte sie die antiken Skulpturen im Louvre und holte sich Anregungen in der ägyptischen Abteilung. In der französischen Kunstmetropole lernte sie viele bekannte Bildhauer kennen.

Nach Kronberg zurückgekehrt, stellte Dr. Friedrich Spielhagen der jungen Bildhauerin das Atelier seiner 1904 verstorbenen ersten Frau zur Verfügung. Dr. Spielhagen war 1895 nach dem Tod von Hedwigs Vaters, dessen medizinischer Nachfolger und Leibarzt von Kaiserin Friedrich geworden. In dem Atelier, im Garten in der Frankfurter Straße 17, entstanden viele qualitätvolle Skulpturen aus Marmor oder Holz. Stilistisch orientierte sich die Bildhauerin zunächst noch am Jugendstil, dann gewann sie ihren eigenen, am Realismus orientierten, reduzierten Stil. Sie schuf nicht nur vollplastische Werke sondern auch feine Reliefs. Einige ihrer Werke sind in Kronberg zu entdecken: das Pfingstbörnchen, mit einem Storch, der die Kinder bringt, am Eingang des Viktoriaparkes, ein Flachrelief, von 1925, zu Ehren der im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten, in der St. Peter und Paul Kirche sowie ein Kriegerdenkmal und Grabmäler auf dem Friedhof in der Frankfurter Straße. Kronbergs einzige Bildhauerin starb im Jahr 1945, im 72. Lebensjahr, an einer Gehirnblutung. Sie wurde im Grab ihrer Eltern beigesetzt, deren Grabmal sie geschaffen hatte.

Station 11.8: Friedhof, Grab: Fritz Wucherer

Adresse: Frankfurterstr.

Wucherer wurde 1873 in Basel geboren und ist in Frankfurt aufgewachsen. Der 19-Jährige begann sein Kunststudium bei Anton Burger. Nach drei Jahren zog der junge Künstler zur Weiterbildung nach Paris und auch in die Künstlerkolonie Barbizon, der Mutter aller Künstlerkolonien. Wucherer löste sich vom Burger-Stil und stellte sich in die Tradition der Barbizon-Maler. Während dieser Zeit hielt sich der Künstler auch in der Künstlerkolonie Auvers-sur-Oise, 35 km nordwestlich von Paris gelegen, auf.  

Zurück nach Frankfurt gekehrt, heiratete er 1899 die Enkelin des Bildhauers Johann Nepomuk Zwerger und des Malers Carl Morgenstern. Sie hatten sich in der Malschule von Anton Burger kennengelernt.
In Kronberg bewohnte das Paar zunächst die Wohnung und das Atelier von dem Maler und Keramiker Wilhelm Süs, der von Hans Thoma nach Karlsruhe berufen worden war. 1911 baute sich Fritz Wucherer in der Burgerstraße 22 ein eigenes Haus. Der Künstler schuf unzählige Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle von Kronberg und seiner Umgebung, in allen Jahreszeiten und Stimmungen. Menschen sind selten auf seinen Bildern zu finden. Innerhalb seiner Landschaftsdarstellungen nehmen Schneebilder eine besondere Stellung ein. Er war sehr mit Kronberg verwachsen. In seinen Lebenserinnerungen schrieb er, "daß der Künstler sein Bestes auf dem Heimatboden - wo es auch sei - schafft, der ihm vertraut und ans Herz gewachsen ist."

Fritz Wucherer starb 1948 in Kronberg, im Alter von 75 Jahren. Auch seine Frau Cleophea ist in dem Grab beigesetzt.

Station 11.9: Friedhof, Grab: Josefine Schalk

Adresse: Frankfurterstr.

Josefine Schalk liegt im gleichen Grab, wie Fritz Wucherer. Die Künstlerin wurde 1850 in Trier geboren. Mit 20 Jahren kam sie nach Frankfurt und war hier von 1875-1879 Schülerin von Heinrich Hasselhorst am Städelschen Kunstinstitut. Der Lehrer war zwar der Meinung, dass höhere Töchter ins Haus gehörten, fand sich aber trotzdem bereit, Künstlerinnen Malunterricht zu erteilen. Der Genremaler Heinrich Hasselhorst gehörte der Willingshäuser Malerkolonie an. In Kronberg hielt er sich ebenfalls gerne auf. Zu seinen Schülern dort zählte auch der Kronberger Maler Philipp Franck.  

Josefine Schalk setzte ihre Studien von 1880 bis 1888 in München fort.

Die hervorragende Porträt- und Landschaftsmalerin kam 1902 nach Kronberg und lebte bis 1912 in der Heinrich-Winter-Straße 6. Von 1912 bis zu ihrem Tod wohnte sie bei Fritz Wucherer in der Burgerstraße 22. Sie erfahren gleich mehr über den Künstler.

Josefine Schalk war die Tante von dessen Frau, Marie Cleopha. „Tante Schalk“ unterstützte die kränkliche Nichte im Haushalt und bei der Erziehung des Sohnes. Vielleicht unter diesem Eindruck, schuf sie viele Märchenbilder nach den „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm. Josefine Schalk starb im Jahr 1919, im Alter von 69 Jahren, in Kronberg.

Station 11.10: Friedhof, Grab: Emil Rumpf

Adresse: Frankfurterstr.

Emil Rumpf wurde 1860 als Sohn des Malers Philipp Rumpf in Frankfurt geboren.Ersten künstlerischem Unterricht bekam er von seinem Vater. Danach setzte er sein Studium an den Kunstakademien in Düsseldorf und Karlsruhe fort. Zurück in der Heimat wurde er 1888 Privatschüler von Kaspar Ritter am Städelschen Kunstinstitut.

Seine Eltern ließen sich 1875 in Kronberg nieder. Auch der Sohn entschied sich, in dem Malernest zu leben.
Emil Rumpfs Hauptinteresse galt der Darstellung militärischer Szenen sowie der Genre- und Portraitmalerei. Unter dem Einfluss von Adolf Schreyer malte er auch "bewegte Pferdebilder". In seinen späteren Jahren war er hauptsächlich graphisch tätig und gestaltete Flugschriften, Buchillustrationen und Karikaturen. 1948 starb Emil Rumpf im Alter von 88 Jahren in Kronberg und wurde hier beigesetzt. In dem Grab ruht auch seine ältere Schwester Thekla (1852-1923). Sie war das bevorzugte Modell seines Vaters. Seine Eltern sind in Frankfurt begraben, wohin sie im Alter wieder umgesiedelt sind.

Station 11.11: Friedhof, Grab: Sophie Abée

Adresse: Frankfurterstr.

Sophie Abbée kam 1908 nach Kronberg und war Schülerin von Anton Burger. Einige Werke sind von der Künstlerin bekannt, darunter auch ein Selbstporträt. Das Gemälde „Alte Direktion des Kronthaler Wassers“, von 1913, ist im impressionistischen Stil gemalt und erinnert auch in der Vorliebe für Grün, an Wilhelm Trübners Malweise, der sich von 1898 bis 1903 Frankfurt und auch in Kronberg aufhielt.

Sophie Abbée erlangte in Kronberg Bekanntheit, weniger als Malerin, als als Turnerin. Sie war 1912 die erste Turnwartin in der neugegründeten Frauenriege des Männerturnvereins MTV. Außerdem leitete sie viele Jahre lang den Jungmädchenkreis der evangelischen Kirchengemeinde. Sie starb 1977 im Alter von 89 Jahren.

Station 11.12: Friedhof, Grab Fritz Best

Adresse: Frankfurterstr.

Der 1894 in der Kronberger Altstadt geborene Fritz Best, konnte nach Holzschnitzer- und Zeichenlehrgängen an der Münchner Akademie studieren. Durch die revolutionären Ereignisse dort um 1918, kehrte er in die Heimat zurück, um sein Bildhauerstudium am Städelschen Kunstinstitut fortzusetzen. Er schaffte es bis zum Meisterschüler mit eigenem Atelier. 1924 ließ er sich als freischaffender Bildhauer in Kronberg nieder. In das von dem Architekten W. Wede entworfene Haus im Bauhausstil, mit einem, für das damalige Kronberg, untypischen Flachdach und einem zartorangefarbenen Anstrich, konnte er 1934, mit seinem verwitweten Vater und seiner unverheirateten Schwester einziehen. Zu dem Haus im Talweg 41 gehörte auch ein Garten und im Souterrain war ein Stall für zwei Ziegen. Der Bildhauer schuf bevorzugt Menschen und Tiere in unterschiedlichen Situationen im naturalistisch-impressionistischen Stil. Fritz Best starb im Jahr 1980 und wurde im Grab seiner Eltern beigesetzt, für das er den Grabstein geschaffen hatte. Nach seinem Tod vermachte er sein Haus der Stadt Kronberg, unter der Bedingung, es als Fritz-Best-Gedächtnisstätte, zu erhalten. Der Bildhauer Hermann zur Strassen war langjähriger Verwalter des Fritz-Best-Museums. Seit seinem Tod im Jahr 2019, ist noch offen, was mit dem Haus und der Skulpturen-Sammlung in Zukunft geschehen soll.

Station 12: Fritz Wucherer

Adresse: Burgerstraße 22  

Wucherer wurde 1873 in Basel geboren und ist in Frankfurt aufgewachsen. Der 19-Jährige begann sein Kunststudium bei Anton Burger. Nach drei Jahren zog der junge Künstler zur Weiterbildung nach Paris und auch in die Künstlerkolonie Barbizon, der Mutter aller Künstlerkolonien. Wucherer löste sich vom Burger-Stil und stellte sich in die Tradition der Barbizon-Maler. Während dieser Zeit hielt sich der Künstler auch in der Künstlerkolonie Auvers-sur-Oise auf.  

Zurück nach Frankfurt gekehrt, heiratete er 1899 Marie Cleophea Zwerger, die Enkelin des Bildhauers Johann Nepomuk Zwerger und des Malers Carl Morgenstern. Sie hatten sich in der Malschule von Anton Burger kennengelernt.

In Kronberg wohnte das Paar zunächst in Schönberg, dann bezogen sie die Wohnung und das Atelier von dem Maler und Keramiker Wilhelm Süs, der von Hans Thoma nach Karlsruhe berufen worden war. 1912 konnte die Familie in das neuerrichtete Haus in der Burgerstraße 22 einziehen.  

Der Künstler schuf unzählige Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle von Kronberg und seiner Umgebung, in allen Jahreszeiten und Stimmungen. Menschen sind selten auf seinen Bildern zu finden. Innerhalb seiner Landschaftsdarstellungen nehmen Schneebilder eine besondere Stellung ein. Seine Kunstauffassung war ihm innerlich vorgezeichnet. Ismen, wie Naturalismujs, Expressionismus, Futurismus, Kubismus usw. interessierten ihn nicht. Als Richtlinie galt ihm das Schöne, Gesunde: ohne Ideale erschien ihm die Kunst nicht denkbar.“

Fritz Wucherer hat 1937 eine Autobiographie geschrieben, zudem sind viele seiner Briefe erhalten, die einen guten Einblick in die Zeit der Malerkolonie gewähren.

Fritz Wucherers Haus steht im Kronberger Stadtteil „Malerviertel“, in dem die Straßen nach den Künstlern der Malerkolonie benannt wurden. Auch Wilhelm Friedenberg lebte hier, in der Burgerstraße 14. Josefine Schalk wohnte zunächst in der Heinrich-Winter-Straße 6, später bei Fritz Wucherer in der Burgerstraße 22.  Minna Roberth lebte in der, dem Malerviertel angrenzenden, Hartmuthstraße 3.

Station 13: Heinrich Winter - Malermuseum

Adresse: Heinrich-Winter-Str. 2

Im Jahr 1874 heiratete der in Frankfurt geborene Künstler, Heinrich Winter, Johanna Müller, die Tochter des wohlhabenden Frankfurter Bürgers Heinrich Carl Wilhelm Müller. Diesem gehörte ab 1863 das alte Behrendsche Haus in der Neuen Mainzer Straße 13. Zwecks Durchbruches der Kaiserstraße mußte Müller das Haus 1870 an die Stadt Frankfurt zum Abbruch verkaufen. Er ließ die zerlegten Teile nach Kronberg transportieren, auf das dort schon in seinem Besitz befindliche Grundstück und das Haus wiederaufbauen. Das Ehepaar Winter zog in das Gebäude ein. Ein großer Garten gehörte dazu, in dem so manches rauschende Künstlerfest stattfand.

1935 wurde das Anwesen dann an die Stadt Kronberg verkauft und als Kurzentrum und später als Schule genutzt.  

Die Straße im Künstlerviertel wurde nach Heinrich Winter benannt.

Im Jahr 2017 zog das Museum Malerkolonie von der Streitkirche in die aufwendig renovierte Villa Winter um. Die Sammlung der Stiftung Kronberger Malerkolonie ist seitdem dort beherbergt. In den 350 qm Ausstellungsfläche wird die eigene Sammlung und wechselnde Sonderausstellungen präsentiert. Besuchen Sie das Museum und lassen Sie sich von dem Werk der Kronberger Maler faszinieren. Vielen Dank, dass Sie mit uns den Spaziergang durch Kronberg gemacht haben. Vielleicht hören wir uns auf einer weiteren Tour durch eine der vielen reizvollen Künstlerkolonien. Auf Wiedersehen.


Auf der Website des Museums finden sie die aktuellen Ausstellungen und Veranstaltungen

Willingshausen

Willingshausen wird als die älteste europäischen Künstlerkolonie bezeichnet. Mitte der 1820er Jahre besuchte Ludwig Emil Grimm den baltischen Offizier Gerhardt von Reutern im Schwertzellsschen Schloss in Willingshausen. Die beiden Künstler zogen bald noch weitere Künstler in die ländliche Idylle. Darunter vor allem einige Maler aus Frankfurt, die von Reutern an der Düsseldorfer Akademie kennengelernt hatte. Unter diesen Künstlern ist besonders Jakob Fürchtegott Dielmann hervorzuheben. In seinem Frühwerk gibt es viele Schwälmer Motive. Diese sind an den roten Häubchen unverheirateten Mädchen oder Frauen zu erkennen. Ein rotes Häubchen erinnert an das Märchen „Rotkäppchen und der Wolf“, von den Brüdern Grimm.

Romantische Schwälmer Szenen sind auch von Jakob Becker, dem Lehrer vieler Kronberger Maler, bekannt. Ebenfalls durch Dielmann angeregt, kam der Wiesbadener Künstler, Ludwig Knaus, 1849, erstmals nach Willingshausen. Der bedeutende Genremaler erregte vor allem durch seinen Schwälmer „Dorftanz unter den Linden“ große Aufmerksamkeit. Auch Adolf Schreyer hielt sich zeitweise in Willingshausen auf. In den Künstlerkries gehörte ebenfalls Heinrich Hasselhorst, auch Lehrer einiger Kronberger Maler und Malerinnen.

Der wohl bekannteste Schwälmer Maler, war Carl Bantzer, der, im Gegensatz zu den anderen Künstlern, im benachbarten Ziegenhain geboren wurde. Seit 1887 verbrachte er fast alljährlich einige Wochen in Willingshausen, um Freilichtstudien zu machen. Oftmals brachte der spätere Professor der Dresdner Kunstakademie seine Studenten mit und belebte das Malerdorf neu. Bantzer gehörte auch der dortigen Malerkolonie Goppeln an. Sehr lebendig und farbenfroh sind seine Darstellungen der Schwälmer in ihrer Festtagstracht beim Tanzen.

Im ehemaligen Gerhardt von Reutern-Haus und in einem neuen Anbau ist das Willingshäuser Malermuseum untergebracht. Wichtigster Bestandteil des Museums ist das Malerstübchen, das Treffpunkt der Künstler in Willingshausen war. Besonders hervorzuheben ist die von den verschiedenen Künstlern bemalte Türe.

Willingshausen ist idyllisch in eine leicht hügelige Landschaft, mit vielen grünen Wiesen und mit Bäumen entlang der Bäche, eingebettet. Gut erhaltene Fachwerkhäuser und das bewahren von Traditionen, kennzeichnen die dörfliche Idylle bis heute.  Das Schwertzellssche Schloss, in das Gerhardt von Reuthern hineinheiratete, überragt die einfachen Bauernhäuser.  

Zu Willingshausen folgt noch ein Stadtrundgang.

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Barbizon

Der kleine Ort Barbizon liegt etwa 60 km südöstliche von Paris, am Rande des großen Waldgebietes von Fontainebleau. Seit den 1830er Jahren trafen sich hier, vor allem in den Sommermonaten, viele Künstler aus Paris. Später siedelte sich dann auch viele von ihnen dort an. Sie flüchteten aus der Großstadt und suchten die unberührte Natur. Die strohgedeckten Häuser reichten bis an den Waldrand. Dort lagen, zwischen dichtstehenden Laubbäumen, mächtige Stein mit bizarren Formen. Die weite Ebene bot Wiesen und Bäche, an deren Ufern Schafe, Rinder und Pferde weideten. Drei Themen waren für die Freilichtmaler wichtig: Die Natur, der Mensch und das Tier.

Die Barbizonmaler wandten sich von der akademischen Malerei ab und entwickelten eine neue Landschaftsmalerei, weg von der Ideallandschaft, hin zu einfachen, unspektakulären Landschaftsdarstellungen, die sie „paysage intime“ nannten. Diese intimen Landschaften sind kleine nahgesehene, unkonstruierte Naturausschnitte mit zumeist romantisierendem Stimmungsgehalt. Hauptvertreter waren Camille Corot oder Chrarles Francois Daubigny. Die Genremaler dagegen stellten den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Bilder. Jean-Francois Millet erlangte, durch seine monumentalen Darstellungen von einfachen Bauern, größte Popularität. Während Constant Troyon als Tiermaler sehr bekannt wurde. Die „Auberge Ganne“ war Treffpunkt und Herberge für die Künstler. Mit Malereien an den Wänden und auf den Möbeln schmückten sie diese künstlerisch aus.  

Barbizon erlangte, als eine der frühesten europäischen Künstlerkolonien, besondere Bedeutung durch die Erneuerung der Landschaftsmalerei, durch die Freilichtmalerei. Die Wirkung dauerte bis zum Ende des Jahrhunderts an und ließ den Wald von Fontainebleau zur Pilgerstätte für Künstler aus der ganzen Welt werden. Nach dem Vorbild von Barbizon entstanden zahlreiche Künstlerkolonien.

Zu Barbizon folgt noch ein Stadtrundgang.

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Auvers sur Oise

Der Landschaftsmaler Charles-Francois Daubigny siedelte sich um 1860 in Auvers sur Oise an, das 30 km nordwestlich von Paris liegt, um in der ländlichen Idylle zu malen. In den 1840er Jahren hielt er sich zeitweise in der Künstlerkolonie Barbizon auf. In Auvers fuhr er mit seinem Atelierboot fuhr auf der Oise und malte bevorzugt die Spiegelungen im Wasser. Er gilt als Vorläufer der Impressionisten. Zusammen mit seinen Freunden Camille Corot und Honoré Daumier, bemalte er die Wände seines Ateliers.

Ihm folgten Paul Cézanne und Camille Pissarro, die durch den befreundeten Arzt und Kunstfreund Dr. Paul Gachet, angezogen wurden. Pissarro wanderte mit einem Esel auf den Hügeln entlang dem Oise-Tals, wo er seine Motive fand. Später ließ er sich im nahen Pontoise nieder.

Der bekannteste Künstler in Auvers sur Oise ist Vincent van Gogh gewesen. Er kam 1890, um sich weiter bei dem den Arzt und Künstlerfreund Paul Gachet behandeln zu lassen. Er litt unter Depressionen und extremer Einsamkeit. In einem Schaffensrausch schuf er in Auvers in den 70 Tagen seines Aufenthaltes ca. 80 Gemälde und 60 Zeichnungen. Er wohnte in einem einfachen Zimmer in der Auberge Ravoux, die zu seinem Sterbehaus wurde. Van Gogh und sein Bruder, der Kunsthändler Theo van Gogh, sind auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.  
Auch in der Folgezeit kamen noch viele Künstler nach Auvers sur Oise, darunter der Franzose Maurice de Vlaminck, die deutschen Künstler Otto Freundlich und Fritz Wucherer. Letzterer verbrachte in dem „vielfrequentierten Malerflecken“ etwa vier Monate. Er war vor allem an der Kunst von Daubigny interessiert. „Seine flüssige Malweise, die tiefe Farbgebung, das vornehme Grün, der leuchtende Glanz seiner Sonnenuntergänge waren für ihn vorbildlich.

In Auvers sur Oise kann das ehemalige Atelierhaus von Daubigny und die Auberge Ravoux besichtigt werden. Im Schloss Auvers wird man durch eine Multimedia-Show zurück in die Vergangenheit, in die große Zeit der Impressionisten, versetzt.

Zu Auver sur Oise folgt noch ein Stadtrundgang.

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Bildnachweise:
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Alle nicht erwähnten Bilder sind von Monika Öchsner selbst erstellt

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